Pressemeldungen

Statement zu Familien an Hochschulen in der Corona-Krise (April 2020)

Positionspapier zur aktuellen Pflegepolitik (November 2019)

Positionspapier zur Finanzierungssituation Studium mit Kind (Juni 2018)

 


PRESSEMITTEILUNG

17. April 2020

Statement des Netzwerk Familie in der Hochschule e.V.

Statement:  zum Download Langversion

Familien an Hochschulen in der Corona-Krise 

Angesichts der Herausforderungen, die der Umgang mit der Corona-Pandemie mit sich bringt, möchten wir an die schwierige Situation in den Familien erinnern und bitten, die Beschäftigten und Studierenden mit Kindern oder Pflegeaufgaben bei allen Maßnahmen an den Hochschulen nicht aus den Augen zu verlieren.
 
Die weitreichende Umstellung auf Home Office in Forschung und Verwaltung sowie auf digitales Studium und Lehre bei gleichzeitiger Kontaktsperre und der Schließung von Kitas und Schulen verstärken die ohnehin bestehenden Ungleichheiten: Das Ungleichgewicht in der Verteilung der Sorgearbeit zwischen Müttern und Vätern in Zwei-Eltern-Familien (Gender Care Gap) ist hinreichend belegt. Traditionelle familiäre Rollenzuweisungen zwischen Männern und Frauen, Vätern und Müttern verschärfen sich in dieser Krise. Auch jetzt sorgen vor allem Frauen für die Kinder, das Essen, den Einkauf und weitere Haushaltsaufgaben, die – da alle Familienmitglieder ständig zuhause sind – zunehmen. Entlastungen wie Kinderbetreuung, Schulen, Pflegedienste, Großeltern, Haushaltshilfen entfallen wegen des radikalen Abstandsgebots. Wenn sich in diesen Fällen die Aufgaben nicht gleichberechtigt unter mehreren in der Familie verteilen, sind die Einzelnen – meistens Frauen – damit konfrontiert, die Aufgaben im Home Office oder Online-Studium nicht im vorgesehenen Umfang bewältigen zu können. Wir fordern daher, dass Aufgaben und Leistungsanforderungen individuell angepasst werden – dies ist eine Aufgabe für Führungskräfte und Lehrende, und der Umgang damit sollte sich in persönlichen Beratungsangeboten der Hochschulen widerspiegeln.
 
Bei der Entwicklung von Instrumenten zur Krisenbewältigung muss die Geschlechtergerechtigkeit beachtet werden. Darauf haben die Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (bukof) und die Allianz der Gleichstellungsbeauftragten der außeruniversitären Forschungsorganisationen (AGbaF) in einem Schreiben an die GWK-Vorsitzende Ministerin Karliczek hingewiesen.
 
Hier möchten wir als Netzwerk Familie in der Hochschule e.V. an unsere Mitgliedsinstitutionen appellieren: Der Lockdown infolge der Coronavirus-Pandemie wirkt sich in den Hochschulen nach jetzigem Einblick insbesondere auf die Lehrenden und Studierenden, den wissenschaftlichen Nachwuchs sowie die Beschäftigten in Technik und Verwaltung mit Familienverantwortung aus. Bitte berücksichtigen Sie deren Belange bei der Organisation des Online-Studiums, des Home Offices und bei der späteren Leistungsbewertung. Nutzen Sie rechtliche Freiräume, fördern Sie Kollegialität, schaffen Sie unterstützende Angebote und kommunizieren Sie Ihre Maßnahmen gut. Vermitteln Sie Ihren Beschäftigten und Studierenden, die jetzt noch mehr Aufgaben in ihren Familien zu stemmen haben, dass Sie sie auch in dieser Situation nicht allein lassen.
 
Vielfach passiert dies auch schon. Wir sammeln Beispiele guter Praxis und werden diese allen unseren Mitgliedshochschulen zur Verfügung stellen. Auch hier freuen wir uns über Ihre Beiträge. Eine ausführlichere Fassung dieses Statements mit konkreten Handlungsempfehlungen haben wir an die operative Ebene gesendet. Sie finden sie auch im Internet unter www.familie-in-der-hochschule.de.
 
Wir grüßen Sie ganz herzlich – und bleiben Sie alle gesund!
 
Tanja Edelhäußer, Dörte Esselborn, Jeannette Kratz, Jolyn Muijsers, Boris Wiedenhöfer
Vorstand Familie in der Hochschule e.V.
 
 
Kontakt: vorstand@familie-in-der-hochschule.de

 

 

 


 

Who cares? - Positionspapier zur aktuellen Pflegepolitik

Netzwerk Familie in der Hochschule e.V.

11. November 2019

Das Netzwerk Familie in der Hochschule e.V. ist ein Zusammenschluss von rund 120 Hochschulen, einem Studentenwerk sowie dem Centrum für Hochschulentwicklung (CHE).

Die Mitgliedseinrichtungen des Netzwerks positionieren sich in einem gemeinsamen Papier zur aktuellen Pflegepolitik. Damit lenken sie den Blick auf die Bedingungen, unter denen Pflege durch Angehörige auf informeller Basis in den Familien stattfindet. Anders als die Probleme im professionellen Pflegesektor erfährt dieses Thema bislang wenig öffentliche Aufmerksamkeit.

Die letzte große Pflegereform (Pflegestärkungsgesetze I-III) brachte keine tragfähigen Lösungen. Mit einer Pflegeversicherung, die nur einen Teil der Pflegekosten deckt und dem Leitsatz „ambulant vor stationär“ folgt, müssen Familien weiterhin Versorgungslücken schließen. Mit der Reform wurde vielmehr ein familienbasiertes Pflegesystem verfestigt, das immer noch vor allem Frauen unbezahlte Sorgearbeit abverlangt – und zwar auf Kosten gleichberechtigter Erwerbstätigkeit, sozialer Absicherung und eigener Gesundheitserhaltung. Das Positionspapier greift Möglichkeiten und Grenzen der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf im gegenwärtigen Pflegesystem auf und kritisiert die hohen bürokratischen Hürden sowie den mangelnden Praxisbezug der aktuellen gesetzlichen Vorgaben.

Neben einer Darstellung der Probleme, denen pflegende Angehörige gegenüber stehen, enthält das Papier auch Vorschläge für sozialpolitische Reformen. Gefordert werden die Umwandlung der Pflegeversicherung in eine Vollversicherung auf solidarischer Finanzierungsbasis, die Verbesserung bestehender gesetzlicher Regelungen, die Schaffung von Anreizen für eine geschlechtergerechte Verteilung von Pflegeaufgaben sowie die Unterstützung von pflegenden Angehörigen durch Arbeitgeber*innen. Hierzu sind konkrete Handlungsideen formuliert, die seit den Reformen der 1980er Jahre in den skandinavischen Ländern wirksam sind. Der Verein ruft die Politik gleichzeitig dazu auf, den Blick für visionäre Transformationsansätze zu weiten. Das übergeordnete Ziel politischen Handelns sollte die Schaffung eines zukunftsfähigen Pflegesystems sein, welches den Pflegebedürftigen ein würdiges Leben ermöglicht und gleichzeitig ihre Angehörigen wirksam entlastet.

Familie in der Hochschule e.V versteht sich als Vorreiter*in bei der gesellschaftlichen Entwicklung hin zu mehr Familienorientierung und Wertschätzung von Vielfalt an Hochschulen. Hierzu bekennen sich die Mitgliedseinrichtungen mit ihrem Beitritt zum Verein durch die Unterzeichnung der Charta „Familie in der Hochschule“.

Das Positionspapier steht hier als pdf zum Download bereit: Positionspapier

Weiterführende Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Vereins: www.familie-in-der-hochschule.de.    

Kontakt: kontakt@familie-in-der-hochschule.de

 


Positionspapier zur Finanzierungssituation Studium mit Kind 

Netzwerk Familie in der Hochschule e.V.

 

Juni 2018 

In dem Positionspapier zur Finanzierungssituation für ein Studium mit Kind skizziert der Best Practice-Club „Familie in der Hochschule e.V.“ den komplexen finanziellen Sachverhalt, mit dem sich studierende Eltern zur Sicherung ihres Lebensunterhalts konfrontiert sehen. Finanziell müssen diese sich in vielen Fällen darauf einstellen, am Existenzminimum zu leben. So schließen sich beispielsweise ein Teilzeitstudium und BAföG-Bezug aus oder es werden im Fall der Beurlaubung SGB II-Leistungen gewährt, was allerdings mit der Weiterführung des Studiums nicht vereinbar ist. Bis dato fehlt es an einem schlüssigen Konzept, das studierende Eltern adäquat fördert und ihnen eine größere finanzielle Sicherheit und Transparenz gewährt. 

Der Best Practice-Club „Familie in der Hochschule e.V.“ – ein Zusammenschluss von Vertreter*innen aus den Familienservicestellen an Hochschulen – kennt die prekäre Situation der Eltern aus der täglichen Beratungspraxis und sieht dringenden Handlungsbedarf. Er ruft die Politik dazu auf, einen ressortübergreifenden Lösungsansatz zu erarbeiten, der auf eine finanzielle Grundversorgung für studierende Eltern abzielt. Gefordert wird ein Finanzierungskonzept, das sich an einer aktiven Lebenslaufpolitik orientiert, in der die Gleichzeitigkeit von Ausbildung und Familienverantwortung vorgesehen ist und als Normalfall angenommen werden kann. 

Das Potenzial, das in einem solchen Ausbildungs- und Familienmodell steckt, wird auch von studierenden Eltern immer wieder bestätigt. Ein Studium mit Kind erfordert ein hohes Maß an Zeitmanagement und beugt späteren familienbedingten, beruflichen Unterbrechungen vor. Es entzerrt die sogenannte ‚rush-hour-of-life‘, die Lebensphase, in der Berufseinstieg und Familiengründung zusammentreffen. Bisher sind die Vorteile eines Studiums mit Kind zu wenig in Erscheinung getreten, was auch mit der unsicheren Einkommenssituation zu tun hat. Der Best Practice-Club setzt sich mit dem Positionspapier für eine Verbesserung der finanziellen Leistungspraxis ein und stellt ein Studium mit Kind als ein zukunftsorientiertes Ausbildungs- und Familienmodell vor, von dem Staat, Wirtschaft und Gesellschaft langfristig profitieren können. 

Rückmeldung zum Positionspapier und Unterstützung der Initiative richten Sie an: Christiane.Harmsen@uni-konstanz.de

Das Positionspapier steht hier als pdf zum Download bereit: Positionspapier

Weiterführende Informationen finden Sie auf den Internetseiten des Vereins: www.familie-in-der-hochschule.de.