Aktuelles

Familien in der Corona-Krise

Statement des Netzwerk Familie in der Hochschule e.V.

17. April 2020

 

Liebe Mitgliedsinstitutionen des Netzwerks Familie in der Hochschule e.V.,

angesichts der Herausforderungen, die der Umgang mit der Corona-Pandemie mit sich bringt, möchten wir Sie an die schwierige Situation in den Familien erinnern und bitten Sie, Ihre Angehörigen mit Kindern oder Pflegeaufgaben bei allen Maßnahmen nicht aus den Augen zu verlieren.

Die weitreichende Umstellung auf Home Office in Forschung und Verwaltung sowie auf digitales Studium und Lehre bei gleichzeitiger Kontaktsperre und der Schließung von Kitas und Schulen verstärken die ohnehin bestehenden Ungleichheiten: Das Ungleichgewicht in der Verteilung der Sorgearbeit zwischen Müttern und Vätern in Zwei-Eltern-Familien (Gender Care Gap) ist hinreichend belegt. Traditionelle familiäre Rollenzuweisungen zwischen Männern und Frauen, Vätern und Müttern verschärfen sich in dieser Krise. Auch jetzt sorgen vor allem Frauen für die Kinder, das Essen, den Einkauf und weitere Haushaltsaufgaben, die – da alle Familienmitglieder ständig zuhause sind – zunehmen. Entlastungen wie Kinderbetreuung, Schulen, Pflegedienste, Großeltern, Haushaltshilfen entfallen wegen des radikalen Abstandsgebots. Wenn sich in diesen Fällen die Aufgaben nicht gleichberechtigt unter mehreren in der Familie verteilen, sind die Einzelnen – meistens Frauen – damit konfrontiert, die Aufgaben im Home Office oder Online-Studium nicht im vorgesehenen Umfang bewältigen zu können. Wir fordern daher, dass Aufgaben und Leistungsanforderungen individuell angepasst werden – dies ist eine Aufgabe für Führungskräfte und Lehrende, und der Umgang damit sollte sich in persönlichen Beratungsangeboten der Hochschulen widerspiegeln.

Bei der Entwicklung von Instrumenten zur Krisenbewältigung muss die Geschlechtergerechtigkeit beachtet werden. Darauf haben die Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen (bukof) und die Allianz der Gleichstellungsbeauftragten der außeruniversitären Forschungsorganisationen (AGbaF) in einem Schreiben an die GWK-Vorsitzende Ministerin Karliczek hingewiesen.

Hier möchten wir als Netzwerk Familie in der Hochschule e.V. an unsere Mitgliedsinstitutionen appellieren: Der Lockdown infolge der Coronavirus-Pandemie wirkt sich in den Hochschulen nach jetzigem Einblick insbesondere auf die Lehrenden und Studierenden, den wissenschaftlichen Nachwuchs sowie die Beschäftigten in Technik und Verwaltung mit Familienverantwortung aus. Bitte berücksichtigen Sie deren Belange bei der Organisation des Online-Studiums, des Home Offices und bei der späteren Leistungsbewertung. Nutzen Sie rechtliche Freiräume, fördern Sie Kollegialität, schaffen Sie unterstützende Angebote und kommunizieren Sie Ihre Maßnahmen gut. Vermitteln Sie Ihren Beschäftigten und Studierenden, die jetzt noch mehr Aufgaben in ihren Familien zu stemmen haben, dass Sie sie auch in dieser Situation nicht allein lassen.

Vielfach passiert dies auch schon. Wir sammeln Beispiele guter Praxis und werden diese allen unseren Mitgliedshochschulen zur Verfügung stellen. Auch hier freuen wir uns über Ihre Beiträge. Eine ausführlichere Fassung dieses Statements mit konkreten Handlungsempfehlungen haben wir an die operative Ebene gesendet. Sie finden sie auch im Internet unter www.familie-in-der-hochschule.de.

Wir grüßen Sie ganz herzlich – und bleiben Sie alle gesund!

Tanja Edelhäußer, Dörte Esselborn, Jeannette Kratz, Jolyn Muijsers, Boris Wiedenhöfer

Vorstand Familie in der Hochschule e.V.

Kontakt: vorstand@familie-in-der-hochschule.de